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Germann & Achermann AG

Kolumne

An dieser Stelle erscheint in unregelmässigen Abständen die Kolumne von Max Germann.

Germann & Achermann AG

dipl. Architekten BSA
Gotthardstrasse 31
6460 Altdorf


Tel. 041 874 08 30
info@gerach.ch

13.02.2017 / Verwaltungsleerlauf

Gehören Sie auch zu den glücklichen "nach dem Zufallsprinzip" ausgewählten Personen, die vom Bundesamt für Statistik einen achtseitigen Fragebogen zur Strukturerhebung zugestellt erhielten? Mir passiert das nun schon zum vierten Mal. Komische Zufälle soll es ja geben, zum Beispiel auch jenen, dass das Amt halt "zufällig" den einfachsten Weg wählt. Ob ich als zufällig Auserkorener die Fragen überhaupt beantworten will, werde ich dann allerdings nicht gefragt. Stattdessen wird ein Gesetz zitiert, das mich dazu verpflichtet. Im Unterlassungsfall droht Strafe!

Nun habe ich als Proband ja nichts dagegen, den beflissenen Beamten Rede und Antwort zu stehen und füge mich meiner staatsbürgerlichen Pflicht. Vielleicht bin ich ja "zufälligerweise" auch der Einzige, der befragt wird. 

Nachdem ich bestätigen soll, ob noch jemand in meinem Haushalt einen solchen Fragebogen erhalten habe, überlege ich mir, ob die im Bundesamt das den nicht selber wissen, schliesslich verschicken ja sie die Post und nicht ich. Soll ich zuhause jetzt eine Umfrage starten? Dabei interessiert sich das Amt auch, in welcher Sprache ich rede und denke und es macht gleich ein paar Vorschläge. Albanisch zum Beispiel. Ich denke oft in Albanisch, aber ich verstehe es leider nicht. Wahrscheinlich habe ich das mit den Erfindern dieses Fragebogens gemeinsam. Wieso das Amt nicht weiss, welcher Konfession ich angehöre ist mir ebenfalls schleierhaft, schliesslich zahle ich Kirchensteuern und bin in x Registern erfasst. die endgültige Erleuchtung überfallt mich dann aber, wenn mich der Fragebogen belehrt, dass ich offenbar erwerbstätig bin. Dort steht nämlich schwarz auf weiss zu lesen, dass erwerbstätig sei, wer mindestens eine Stunde pro Woche einer bezahlten Arbeit nachgehe. Das hat mir gerade noch gefehlt! Wahrscheinlich suchen sie in ihrem Amt noch Mitarbeiter. So geht die Fragerei fort! Ich darf dann auch noch beantworten, ob ich mit einer Ehefrau in einem Haushalt leben, welche AHV-Nummer sie denn gerade habe und in welcher Sprache diese Ehefrau denke. Das weiss ICH doch nicht und das geht mich auch nichts an, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, es sei byzantinisch. Das nächste Mal -  ich freue mich schon auf den fünften Zufall - muss ich denen wohl auch noch melden, WAS sie denkt und spätestens hier wird es mir unheimlich.

Wahrscheinlich ist per Definition auch denkfähig, wer sein Gehirn mindestens für eine Stunde pro Woche einschaltet. Ich weiss nicht, wieviel überflüssiges Geld unser Staat hat, um solchen Schwachsinn zusammenzufragen. Es ist zu befürchten, dass die Politik auch hier kaum weiss, was ihre Verwaltung so treibt und im Falle der Statistik spielt das ja auch keine Rolle. Aus meinen Antworten können sie dort auf jeden Fall entnehmen, dass ich mindestens eine Stunde pro Woche arbeite, mit einer weiteren Person in einem Haushalt leben und nicht immer in der gleichen Sprache denke, wie diese. Nützen tut dies keinem, aber Hauptsache, die Verwaltung ist beschäftigt - wenigstens eine Stunde pro Woche!

Übrigens, wussten Sie schon, dass der Mensch laut Statistik während seinem Leben ungefähr drei Jahre lang isst? Allen die verhungert sind, hat das leider nichts geholfen.


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